Expertentipps, Nachgefragt

Ist Plastik wirklich böse?

Jure Lesnik darüber, warum Plastik nicht gleich Plastik ist und wir trotzdem lieber darauf verzichten sollten …

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Ich bin Jure Lesnik und mit ERUi biete ich 100% biologische Kosmetikprodukte mit garantiert plastikfreier Verpackung an. Wir produzieren in Wien, wo die Produkte in kleinen Serien handgefertigt werden. Jedes Einzelstück wird von Hand gemischt, zubereitet, gegossen, geschnitten und verpackt.
Nach meinem Studium der Umweltwissenschaften habe ich Erfahrungen in verschiedenen chemischen Bereichen – Labor, Anlagenbau und Produktion – gesammelt. Mit ERUI kann ich meine Leidenschaft für Ökologie und Kosmetik nachgehen und meinen Kunden eine hochwertige und umweltschonende BIO-Kosmetik anbieten. Warum das wichtig ist, erfährst du im folgenden Beitrag.

Wenn wir von „Plastik“ sprechen, meinen wir eigentlich Kunststoffe. Die praktischen Eigenschaften von Kunststoffen machen sie in der Industrie so beliebt: sie sind formbar, relativ hart, elastisch, bruchfest, temperatur- und wärmeformbeständig und auch chemisch beständig. Was sich also als praktischer Werkstoff etabliert hat, ist aus der Umwelt kaum mehr „raus“ zu bringen. 

Die 3 Probleme von Plastik

Der fossile Ursprung:

Kunststoffe werden üblicherweise aus fossilen, also nicht erneuerbaren Ressourcen, wie Erdöl oder Erdgas gewonnen. Dabei wissen wir um die Begrenztheit fossiler Rohstoffe und die mit dem Abbau einhergehenden treibhausrelevanten Gase. 

Der fast unmögliche Abbau:

die widerstandsfähigen Eigenschaften von Kunststoffen machen sie so schwierig in der Entsorgung beziehungsweise im Abbau. Bis sich eine herkömmliche Plastikflasche zersetzt hat, kann es 450 Jahre dauern, Nylonnetze für den Fischfang benötigen sogar 600 Jahre – abhängig von der Umgebung und den entsprechenden Bedingungen. Schätzungen zufolge werden auch nur 14% des jährlichen Plastikmülls (und da sprechen wir nur vom Müll, nicht von Gegenständen) tatsächlich gesammelt und in einen Recyclingprozess überführt. Wo landet der Rest?

Plastik im Bauch:

Aufgrund ihrer chemischen Eigenschaften „verschwinden“ Kunststoffe nicht, sondern zersetzen sich lediglich in immer kleinere Teile. Das viel-zitierte Mikroplastik tummelt sich dann im Ozean, wo es Meereslebewesen fressen und aufnehmen, bis es über die Nahrungskette schließlich auf unserem Teller landet. Und wer würde sich zum Abendessen gerne eine Zahnpastatube panieren? 

Am Rande: Eine Studie der Ellen MacArthur Foundation and McKinsey & Company verdeutlicht einmal mehr, dass bis zum Jahr 2050 mehr Plastik als Meerestiere im Ozean schwimmen werden.

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Aber es gibt doch auch Bioplastik!

Ja, doch Bioplastik ist ein verwirrendes Wort: Wir unterschieden zwischen biobasierten Erzeugnissen (sprich: die Rohstoffe sind größtenteils Bio) und biologisch abbaubaren Erzeugnissen (sprich: das Endprodukt ist zersetzbar, kann aber trotzdem aus fossilen Brennstoffen erzeugt worden sein).
ABER: Was biobasiert erzeugt wurde, muss noch lange nicht umweltverträglich abbaubar sein. Und was biologisch abbaubar ist, muss noch nicht biobasiert hergestellt worden sein. Beide Varianten haben also ihren Haken.

Was also tun?

Kunststoffe aus nachwachsenden Rohstoffen forcieren

Bis 1930 wurden Kunststoffe fast ausschließlich aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt. Erst seit Ende des Zweiten Weltkrieges werden als Rohstoffquellen üblicherweise fossile, also nicht erneuerbare Ressourcen, wie Erdöl oder Erdgas, genutzt. Seit 20 Jahren sind wieder verstärkte Bemühungen zu verzeichnen, Kunststoffe zum Teil oder auch vollständig aus nachwachsenden Rohstoffen zu erzeugen und auf dem Markt zu etablieren.

Soweit wie möglich auf Plastik verzichten

Vieles haben wir auch selbst in der Hand: Wir können auf Plastiksackerl verzichten, wir können überdimensionierte Verpackungen kritisieren, wir können unseres Plastikmüll so reduzieren und natürlich sauber trennen und – der größte Faktor: wir können bewusst plastikfreie Produkte einkaufen!

Wir können wieder Holzsspielzeug verschenken anstelle des quietschenden Kinderkeyboards, wir können nach abfüllbaren Waren fragen, wir können unsere Einkaufstasche mitbringen, wir können Plastikfreiheit einfordern und mit unserem Griff im Regal bestimmen, wohin die Reise geht …



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